Forschung & Entwicklung

Wissenschaftliche Forschung ist wie alle Bereiche des modernen Lebens rasanten und weitreichenden Veränderungen unterworfen, deren Ursache in einem tiefgreifenden Medienwandel begründet ist. Die Möglichkeiten digitaler Technologien beeinflussen auch die Geisteswissenschaften nachhaltig. Der vermehrte Einsatz digitaler Methoden in diesen Fächern hat gezeigt, dass wir gerade in diesen Disziplinen mit vielfältigen sehr spezifischen Anforderungen konfrontiert sind. Nach wie vor stehen häufig weder benötigte Werkzeuge noch andere adäquate Ressourcen zur Verfügung. Zwar sind in den letzten Jahren immer mehr spezialisierte Tools entstanden, leicht einsetzbare Applikationen sind aber nach wie vor selten, die Wieder- und Mehrfachnutzung von Forschungsinstrumenten und -daten oft mit großen Problemen verbunden. Allzu oft klaffen Anspruch und Wirklichkeit bemerkenswert auseinander. Das ACDH ist angetreten, an diesen Problemen zu arbeiten, und widmet sich nicht nur der Entwicklung von spezialisierten Werkzeugen, sondern ist zugleich um deren nachhaltige Integration in digitale Infrastrukturen bemüht.

Interdisziplinär und multiperspektivisch ausgerichtet, kombinieren die ForscherInnen des ACDH texttechnologische, methodologische, historische, linguistische und literaturwissenschaftliche Ansätze. Der technische Ausbau konzentriert sich auf die Entwicklung der corpus_shell, eines generischen Frameworks für die Publikation heterogener und distribuierter digitaler Sprachressourcen. Das Tool ist frei verfügbar und bereits mehrfach erfolgreich im Einsatz. Weitere Arbeitspakete der ACDH-Arbeitsgruppen widmen sich der Annotation und Aufbereitung bereits bestehender sowie dem Aufbau neuer Sprachressourcen. Das Spektrum an relevanten Forschungsfragen umfasst neben allgemeinen Themen wie dem Corpus-Design und der Erstellung von digitalen Sprachressourcen, auch speziellere Problembereiche wie die Annotation und Analyse komplex strukturierter Corpora, die Indexierung von Big Data und die Visualisierung digitaler Sprachdaten. Auch im Bereich eLexicography gehen Forschung und Entwicklung Hand in Hand. Zurzeit wird an einer Reihe von digitalen Wörterbüchern gearbeitet, zu Standards im Bereich Wörterbuch-Encoding geforscht und parallel dazu eine virtuelle lexikografische Forschungsumgebung entwickelt. Im Kontext der Arbeit an digitalen Editionen und der Erzeugung relevanter Metadaten entstand der SMC Browser, ein interaktiver Graph Viewer, mit dessen Hilfe sich unterschiedliche Datenquellen effektiv visualisieren und analysieren lassen. Ein Schwerpunkt, der in den letzten Jahren ganz allgemein an Bedeutung gewonnen hat und dem gerade im Rahmen geisteswissenschaftlicher Forschung ein besonderer Stellenwert zukommt, sind semantische Technologien. Mehrere laufende ACDH-Projekte beschäftigen sich daher auch mit der Nutzung und Entwicklung von Linked (Open) Data-Ressourcen sowie dem Aufbau eines verlässlichen Toolinventars.

Sämtliche Forschungsvorhaben des ACDH sind wesentlich beeinflusst durch die ESFRI-Initiativen CLARIN (Common Language Resources and Technology Infrastructure) und DARIAH (Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities), sie entstehen synchron zu den Aktivitäten der europäischen Infrastrukturkonsortien und stellen darüber hinaus österreichische Beiträge zu diesen Infrastrukturen dar.